Beiträge vom März, 2010

Einfach und faul – die Tugenden der Kreativen

Montag, 22. März 2010 22:29

Kiki Comicmund FilterAls ich zum ersten Mal von Chatroulette gehört habe, fand ich die Idee ganz witzig aber in letzter Instanz für mich eher uninteressant. Ich schätze mich einfach nicht so ein, dass ich mit wildfremden Menschen die irgendwo anders vor einer Webcam sitzen, richtig toll ins Gespräch komme. Ich sprech ja schon nicht gerne auf Anrufbeantworter.

Und dann habe ich dieses Video gesehen.

Was für eine sympathische, kreative und lustige Idee. Und vor Allem: einfach. Ich sag ja immer schon, dass die einfachsten Idee die Besten sind (gleichauf mit denen von sehr faulen Menschen).

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GD_TimAls ich das erste mal das Video gesehen habe, kamen mir drei Gedanken:
1. Wie viele Penisse wildfremder Männer musste der arme Kerl betrachten, bevor er genug Material für sein Video zusammen hatte?
2. Das sehen wir doch garantiert bald im Fernsehen. Da setzen sich dann lustige “Comedians” wie Mario Barth vor die Webcam und belästigen unschuldige Menschen im Chat. (Da ich bis jetzt noch nichts von einem derartigen Konzept gehört habe, melde ich jetzt meine geistigen Rechte an dieser Idee an. Ich stehe ab jetzt für Verhandlungen mit den privaten Fernsehsendern zur Verfügung).
3. Witzig, ist das Ben Folds? Das wäre ja an sich noch gar nicht so lustig, wenn ich dann nicht auf folgendes Video gestoßen wäre:

Und da es unvermeidbar noch etliche, nicht ganz so kreative Nachahmer geben wird, haben wir in ein paar Wochen wohl zumindest wieder was lustiges zu bloggen.

Thema: Allgemeines | Kommentare (3) | Autor: Kiki

Achtung, Haus fällt!

Mittwoch, 3. März 2010 21:39

Kiki Comicmund FilterHeute jährt sich zum ersten Mal der Einsturz des Kölner Stadtarchivs. Und damit auch mein letzter, sehr abrupt endender Arbeitstag bei meinem ehemaligen Arbeitgeber filmpool. Bericht einer Augenzeugin des Einsturzes aus einer mal etwas anderen Sicht.

Während man meistens noch nicht mal genau weiß, was man am Vortag eigentlich zum Mittag hatte, gibt es andererseits so Daten da weiß man noch nach 50 Jahren was man genau getan hat. So geht es mir mit dem 11. September 2001 (wem nicht?). Ich war da an der Ruhr in Oberhausen spazieren, als mir ein Bekannter entgegen kam und meinte “Da isn Flugzeug ins World Trade Center geflogen”. Darauf hin ging ich schnell nach Hause vor den Fernseher und sah dann, dass ein zweites Flugzeug die Zerstörung komplett machte.

Am 3. März 2009 war ich wie jeden  Tag dabei Familien für Dokusoaps zu suchen, wusste aber bereits dass ich dies wegen einer Verschlankung der Redaktion nur noch einen Monat lang tun würde. Demzufolge saß ich den ganzen vormittag lang relativ unmotiviert vor meinem Rechner, surfte so vor mich hin und und vor Allem: ich plante mit einer meiner geschätzten Ex-Kolleginnen das Mittagessen. Die Stunde Mittagspause wurde zu dieser Zeit das Highlight des Tages für uns – auch sie hatte nur noch einen Monat als Dokusoap-Redakteurin vor sich. Direkt an der von Supermärkten und Loalen gespickten Severinstraße ansässig, fiel uns die Wahl wo und was wir essen sollten immer schwer. An diesem Tag entschieden wir uns nach längerer Zeit mal wieder die Severinstraße rechts entlang, am Stadtarchiv vorbei zum Sandwichladen Tommy’s zu schlendern. Ich weiß noch, dass unsere Augen größer als die Münder waren, und wir jeweils eine Ofenkartoffel mit Bagel hatten.

Auf dem Rückweg ins Büro haben wir ein schlechtes Gewissen weil wir die Pause relativ stark in die Länge gezogen hatten. Die Sorgen sind unbegründet wie sich dann heraus stellt. Kurz vor dem Ziel wundern wir uns, warum alle Autofahrer die in Richtung Severinsbrücke fahren, von Bauarbeitern gebeten werden schnell kehrt zu machen. Wir vermuten aus irgendeinem Grund eine Schlägerei, wollen näher ran gehen um zu sehen was los ist. Da kommt uns schon ein weiterer Bauarbeiter entgegen und schreit: “Weg hier, die U-Bahn bricht ein!” Mein erster Gedanke: “Scheiße, die U-Bahn ist unter dir”. Dann nur noch Gewusel, Rennen, ein einstürzendes Haus (das ich irrtümlicherweise für die dem Stadtarchiv gegenüber liegende Schule hielt – da sieht man mal wie seltsam man in Panik sein Umgebung wahrnimmt),  Staub, Schreie und extreme Verwunderung – man könnte es auch kleinen Schock nennen.

Aber nur soviel zur Wahrnehmung des Einsturzes selbst, das Thema wurde ja hinlänglich in den einschlägigen Medien erörtert. Ich habe mir die letzten Tage, als es langsam auf den Jahrestag zu ging, vielmehr über die Auswirkung dieses Ereignisses auf meine kleine, persönliche Welt Gedanken gemacht. Und die waren nicht unerheblich. Ich habe an diesem Tag ohne es vorher zu wissen, meinen Arbeitsplatz verlassen und nie wieder gesehen. Immerhin ein Jahr lang habe ich unser Dreierbüro fast tagtäglich aufgesucht und ihn mir mit vielen kleinen Dingen sehr persönlich eingerichtet. Da waren Fotos, Karten und kleine Abschiedsgeschenke meiner ehemaligen GIGA-Kollegen, Poster, Pflanzen, Bilder auf meinem Rechner, etc. Was man eben so alles ansammelt an dem Platz, an dem man einen Großteil seiner Zeit verbringt. Die wichtigsten Dokumente wurden mir später per Post zu gesandt, aber die vielen kleinen privaten Sachen habe ich nie wieder gesehen. Wahrscheinlich auch, weil man nach dem Einsturz des Archivs und der damit verbundenen Einsturzgefahr des Gebäudes in dem ich arbeitete, die Büros verlagerte und im speziellen Fall meiner Kollegin und mir entschied, dass wir vorzeitig beurlaubt sein würden. Ich hatte also, ebenfalls ohne es vorher zu wissen, an diesem Tag meinen letzten Arbeitstag.

Ich glaube diese Eindrücke haben sich bei mir noch stärker manifestiert, als der Anblick dieses Gebäudes das einfach so im Erdboden versank. Ich habe zum ersten Mal echte Unsicherheit verspürt. Man empfindet das Leben ja so oft als Trott, fährt zu Arbeit, macht sich nen Kaffee, macht mittag, fährt nach Hause, geht zum Sport/in die Kneipe/auf die Couch und am nächsten Tag geht alles wieder von vorne los. Es war seltsam zu erleben, dass dieses eine Mal in meinem Leben nicht alles von vorne los ging – zumindest nicht wie gewohnt.

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GD_Tim Hurra, ich scheine die Ausnahme von der Regel zu sein. Ich habe nämlich tatsächlich keine Daten im Kopf, wo ich noch genau weiß, was ich gemacht habe. Ich weiß zwar, wo ich am 11. September beispielsweise war (nämlich als Zivi im Altenheim an der Laarmannstraße), aber ich weiß noch nicht einmal mehr, wann ich von den Anschlägen erfahren habe. Ich glaube nämlich, WDR 4 hat da nicht drüber berichtet. Ich halte es übrigens auch für unwahrscheinlich, dass die bessere Hälfte des gemischtes Doppels, nachdem Sie an der Ruhr von einem Bekannten auf den Einschlag des 1. Flugzeugs aufmerksam gemacht wurde, den 2. Einschlag live im TV verfolgt hat. Da lagen nämlich ganze 17 Minuten dazwischen. Aber gut, wollen wir mal nicht haarspalterisch werden.

Wundern tut mich das nicht, schließlich habe ich auch nur sehr wenige Erinnerungen an meine Kindheit und im Allgemeinen tue ich mich schwer damit mir….was wollte ich nochmal sagen? Egal.

Neben meinem schlechten Gedächtnis habe ich allerdings noch eine weitere Eigenschaft, die verhindert, dass mir bestimmte Dinge so nahe gehen, dass ich sie lange im Gedächtnis behalte. Ich denke einfach viel zu rational und verknüpfe Ereignisse selten mit bestimmten Emotionen. Alle, die mich jetzt für einen gefühlskalten Klotz halten, haben Recht tun mir damit Unrecht, denn ich bin sehr wohl in den Lage Gefühle zu zeigen. Aber nur dann, wenn ich Sie rational erklären kann. Das hat es im besagten Fall des Stadtarchiv-Einsturzes zum Teil schwierig  gemacht, Cristinas Gefühlswelt nachzuvollziehen – zumal ich ja nicht dabei war. Und auch sonst führt das ab und zu mal zu angeregten Diskussionen, wenn ich “empathische Schwierigkeiten” habe.

Allerdings habe ich die Hoffnung noch nicht aufgeben, dass auch ich irgendwann mal Momente erlebe, die mich so sehr flashen, dass sie mir für immer im Gedächtnis bleiben. Ich spekulier da auf unsere anstehende Hochzeit und die irgendwann anstehende Geburt meines unseres Sohnes Kindes. Sollte das auch nix helfen, kauf ich mir einfach ne Videokamera, um solche Momente festzuhalten. Hoch leben die Technikprothesen für Gefühlskrüppel!

Thema: Allgemeines | Kommentare (1) | Autor: Kiki