Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu trinken!
Samstag, 24. Oktober 2009 16:28
Es ist mal wieder soweit, heute wird Fußball gespielt. Der 10. Spieltag steht auf dem Programm. Das an sich wäre ja jetzt relativ unspektakulär, gäbe es heute nicht ein Novum in der Bundesligageschichte, das leider gar nichts mit dem Sport an sich zu tun hat.
Dank des “brisanten” Derbys zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln (ab und an, wenn die beiden mal wieder 2. Liga spielen, ist das vielleicht wirklich ein brisantes Derby, in der Bundesliga aber eher nicht von Bedeutung) herrscht heute in Mönchengladbach von 9 Uhr bis 15.30 Uhr ein striktes Alkoholverbot auf den Straßen. Dieses erstreckt sich auf 142 Straßen der Stadt und betrifft gut 400 Gaststätten, Restaurants, Büdchen oder Tankstellen. Auch im Stadion selber wird es vor, während und nach des Spiels keinen Alkoholausschank geben. (Was da wohl der Udo Lattek von hält?)
Warum? Weil gewaltbereite Fans beider Lager in der Vergangenheit öfter einmal aneinander geraten sind. Da war wohl auch Alkohol im Spiel und deshalb ist es jetzt für alle verboten! So ist das nunmal: ein paar bauen scheiße, alle haben drunter zu leiden. Auch der Versuch eines Gastwirts, das Verbot noch zu kippen, scheiterte. Das Interesse an der Verhinderung gewaltätiger Störungen sei größer als das Interesse eines Gastwirtes, Alkohol anlässlich eines Fußballspiels auszuschenken.
Nun mag es ja den ein oder anderen Leser geben, dem seine Freiheit nicht soviel Wert ist und der gerne mal auf das Recht, in der Öffentlichkeit Alkohol zu trinken verzichtet, wenn damit Randale ausgeschlossen werden kann. Der Konsum zu Hause, vor dem Spiel, sowie in ganz Köln (da kommt ja auch ein großer Teil der Besucher heute her) ist nämlich nicht verboten. Aber es wird ja bestimmt kein Fan auf die Idee kommen, vorzuglühen (auch gerne mal mehr als sonst, weil nachher gibts ja nix mehr!).
Und ich bin mir auch sicher, dass die paar, die doch betrunken und auf Ärger aus sind, bestimmt sehr freundlich und midle reagieren, wenn Sie dann in Gladbach von den Ordnungshütern auf das Alkoholverbot aufmerksam gemacht werden.
In Gelsenkrichen übrigens haben die schon eine überragende Lösung, wie man Gewalt (zumindest im Stadion) verhinden kann. Wahrscheinlich rührt das daher, dass der FC Schalke 04 in den letzten Jahren einen enormen Zuschauerschwund verzeichnet hätte, wenn die im Stadion sich die Spiele hätten nüchtern anschauen müssen (ja, ich bin Schalke Fan).
Folgendes Foto habe ich in der Veltins Arena geschossen:

Ich finde das toll. Da ziehen nämlich solche Dreiergrüppchen rum, bestehend aus
- dem Ordner , der – wie der Name schon sagt – auffällige Fans abheftet zur Ruhe bringt
- der Aufsicht, die den Ordner beaufsichtigt und schaut, dass der auch alles richtig macht und
- dem Einsatzleiter, der sicherstellt, dass das Zusammenspiel von Ordner und Aufsicht dem Einsatzplan entsprechend verläuft.
Wahnsinn, oder? Ich glaube, da können die Leute noch so strunzbetrunken sein, da kann nix mehr schiefgehen.
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Mal wieder ein schönes Beispiel für die neue Unart Probleme nicht an der Wurzel zu packen, sondern einfach zu kaschieren. Denn mal ganz im Ernst, wer vor einem Fußballspiel saufen will, wird das schon auch irgendwie hin bekommen, ob er das Bier nun in unmittelbarer Nähe des Stadions erwirbt und konsumiert oder woanders.
Wenden wir die “Aus den Augen, aus dem Sinn”-Taktik mal auf andere Bereiche an:
- Gesundheitswesen: Komme ich mit Hautausschlag zum Arzt, zückt dieser keine Salbe sondern das Make-Up-Döschen. Ist schneller, billiger und der Effekt ist derselbe.
- Bildung: Man hat festgestellt, dass Kinder mit Migrationshintergrund im Durchschnitt schlechtere Schulabschlüsse machen als solche ohne? Kein Problem! Haare blond färben, Augenbrauen zupfen, Jogginghosen weg nehmen…bäm! Jetzt verschlechtert sich zwar die Grundgesamtheit aller Schüler, aber an der fehlenden Integration kann es nicht mehr liegen.
- Verteidigung: Krisenherde werden von den Landkarten gestrichen. Sind meistens eh weit weg und Erdkunde wird außerdem um einiges leichter (was wiederum einen positiven Effekt auf die Schulabschlüsse hat, zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Mann, dat läuft!)
- Innere Sicherheit: Internetseiten mit zweifelhaften Inhalten werden hinter einem Sackgasse-Schild verborgen. Nicht gelöscht, verborgen…na? So langsam krieg ich euch wa?
- Haushalt: Alle Schulden die wir unbedingt machen müssen um die armen Krankenkassen zu sanieren machen wir nicht im normalen Haushalt. NAHAHEIN! Jetzt kommt der Knaller! Die machen wir in einem SCHATTENhaushalt*. Kapiert? Im Schatten, dass das auch keiner sieht aus der EU. Weil die haben doch kürzlich erst die Taschenlampen verboten (zumindest die mit normalen Glühbirnen und Energieparbirnen leuchten ja nicht so hell).
*Ich weiß, der ist wieder vom Tisch aber das ist mein Blog, ich kann hier schreiben was ich will.
Thema: Allgemeines, Anderes, Dies & Das, Generelles, Globales, Sonstiges, Und überhaupt | Kommentare (2) | Autor: Tim


